was macht eigentlich…

Güllen ist mein Heimatdorf. Also der Ort, wo ich aufgewachsen bin, wo schon meine Grosseltern und Urgrosstanten lebten, und wo ich wohne wenn es mir in meiner Grossstadt-WG langweilig wird. Güllen hat zwar keinen eigenen Bahnhof, doch ist es per Postauto (zu deutsch: Nahverkehrsbus) recht bequem zu erreichen. Für den Grosseinkauf muss man zwar ins nahe Städtchen fahren, doch im Dorfladen bekommt man so einiges, um sich durchs Leben zu schlagen. Ein paar Handwerksbetriebe, immer weniger ein paar Bauernhöfe, ein stetig wachsender Kern von Ein- und Mehrfamilienhäuschen, die tagsüber verwaist umherstehen – ihre Besitzer arbeiten alle in der Stadt, doch wohnen auf dem Lande.

Doch eigentlich geht es in diesem Artikel gar nicht um Güllen, sondern um mich. Und das Dorf soll nur der Aufhänger sein, denn in Güllen gibt es eine freiwillige Feuerwehr, und da bin ich als Träger des Morbus Blaulicht natürlich Mitglied. Einen Studenten aber hatten sie noch nie in der Feuerwehr, die Mannschaft setzt sich traditionsgemäss zusammen aus Bauern, Mechanikern und Gemeindearbeitern – Leute eben, die etwas vom Gerät verstehen, das sie in Händen halten. Die Skepsis Neugier gegenüber dem Neuling war deshalb gross, und eines interessiert die Herren (Damen sind tatsächlich noch keine im Team) ganz besonders: „Du sag mal, was machst du eigentlich den ganzen Tag wenn du nicht arbeitest?“

Höchste Zeit also, Aufklärungsarbeit zu leisten.

Ein Tag im Leben des Studenten Ian – Ausgabe I:  1. Woche im neuen Semester

Montagmorgen, 6:30, Ian Student wird von einem unbekannten Geräusch aus dem Schlaf gerissen. Er denkt lange nach, bis er endlich die Quelle der Nachtruhestörung ausmachen kann: Der Wecker des Natels (zu deutsch: Mobiltelefon) klingelt was das Zeug hält. Jetzt kommt ihm auch wieder in den Sinn, dass er ihn gestern abend ja extra eine halbe Stunde früher gestellt hat, damit er sich noch auf die erste Vorlesung vorbereiten kann. Doch erst mal raus aus dem Bett und unter die Dusche. Das Bad ist jedoch besetzt von Emilie, der hübschen aber für Ians Geschmack ein bisschen zu disziplinierten Psychologiestudentin, die seit einem halben Jahr Ians Mitbewohnerin ist. Von Mark, seinem anderen Mitbewohner hat er jedoch ausser ein paar Haaren im Abfluss der Badewanne um diese Zeit nichts zu befürchten – der ist freischaffender Künstler und schläft grundsätzlich bis Mittags. Als Emilie fertig ist, widmet sich Ian seiner Morgentoilette. Nach dem Frühstück schaut er auf die Uhr; es bereits 7:50. Hastig packt er seine Freitagtasche und eilt aufs Tram. Gerade als der Dozent den Beamer dazu überreden konnte, endlich zu tun wofür er gebaut ist, erreicht Ian den Hörsaal und quetscht sich auf den letzten freien Sitzplatz. Den Rest des Morgens verbringt er mit Einführungsvorlesungen, wobei er sich grosse Mühe geben muss um nicht einzuschlafen. Die Umstellung von Ferien auf Frühaufstehen fällt ihm jedes Mal schwer… Um zwölf Uhr beschliesst er, der Mensa wieder einmal eine Chance zu geben ihn positiv zu überraschen. Sie versagt erneut. Angewidert isst er sein undefinierbares Menu zu ende und macht sich schliesslich auf in die Bibliothek. Er ist schliesslich voller guter Vorsätze, und in diesem Semester wird er wirklich von Anfang an dranbleiben, jeden Tag repetieren, um endlich kein schlechtes Gewissen mehr haben zu müssen. So verbringt er den Nachmittag in der Bibliothek, schreibt sich Karteikarten über den Stoff der Einführungsvorlesungen (Dinge wie: „Die Haut ist ein höchst wichtiges Organ. Sie dient zu verschiedenen Zwecken“). Abends kehrt er zufrieden in die WG zurück, und legt sich entspannt vor den Fernseher, in der Hoffnung, dass Emilie etwas feines auf den Tisch zaubert. Tut sie auch, und so geht der Tag erfolgreich dem Ende entgegen.

Freitagmorgen, 10:30, Ian blinzelt schläfrig aus seinem Pijama. Mist, heute Morgen braucht er wohl gar nicht mehr zu versuchen, es rechtzeitig in die Vorlesung zu schaffen. Trotzdem schält er sich aus dem Bett und setzt sich an den Computer. Er checkt ein paar Ärzteblogs und malt sich aus, wie toll es einmal sein wird, selber einen weissen Kittel zu tragen (Chemielaborschürze zählen nicht). Nachmittags überlegt er sich kurz, doch noch in die Bibliothek zu gehen, doch es sprechen zu viele Gründe dagegen. Und überhaupt, der Stoff kam eh im ersten Jahr schon mal so ähnlich, zwar weiss er nicht mehr genau um was es da gegangen ist, aber mit Biochemie hatte es auf jeden Fall auch zu tun. So verbringt er den Rest des Tages vor dem Fernseher und überlegt sich, was er am Abend kochen könnte. Emilie geht nämlich mit ihren Freundinnen aus…

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4 Antworten to “was macht eigentlich…”

  1. anna Says:

    LOL – genauso war es *seufz* schöne Studentenzeit… wäre ich auch gern noch mal… so schön wird’s trotz Kittel nie wieder 😀 Und das mit der Mensa… die Krankkenhauskantine kann da problemlos mithalten.

  2. chstudent Says:

    In dieser Hinsicht muss ich unser Universitätsspital (ähm, Krankenhaus) loben: Die Kantine ist genial. So gut und vielfältig, dass wir uns ab und zu über Mittag dort reinschleichen, obwohl wir es uns gar nicht leisten können mit unserem Studentenlohn… Und Badges für billiges Essen gibts erst ab nächstem Jahr… hach, ein Grund mehr sich aufs 3.Jahr zu freuen *träum*

  3. Hermione Says:

    Bei euch gibts ausreichend Sitzplätze in den Hörsälen? Krass… Ich musste immer, wenn ich nicht mindestens 20min vor Vorlesungsbeginn da war, auf dem Fensterbrett oder dem Boden platznehmen…
    Ich hab im falschen Land das falsche Fach studiert. 😀

  4. Was macht eigentlich… II « ch-student Says:

    […] Siehe auch: Was macht eigentlich […]

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